OpenERP – heute Odoo: das Open-Source-ERP
OpenERP zählte zu den bekanntesten Open-Source-ERP-Systemen. Seit 2014 heißt die Software Odoo. Dieser Beitrag erklärt Herkunft, modularen Aufbau, die Editionen und für welche Unternehmen sich die Lösung eignet.
Von OpenERP zu Odoo
Die Software startete als „TinyERP“, wurde später zu OpenERP und 2014 in Odoo umbenannt. Der Name „OpenERP“ ist also überholt, wird aber weiterhin gesucht. Odoo ist heute eine der bekanntesten modularen Business-Software-Suiten mit einem quelloffenen Kern.
Kurzüberblick
- Heutiger Name: Odoo (vormals OpenERP / TinyERP)
- Modell: Open-Source-Kern, modular aufgebaut
- Editionen: Community (frei) und Enterprise (kostenpflichtig)
- Einsatz: vom Kleinunternehmen bis zum Mittelstand
Modularer Aufbau
Odoo besteht aus zahlreichen Apps, die sich einzeln aktivieren lassen – darunter Verkauf, Einkauf, Lager/Warenwirtschaft, Buchhaltung, CRM, Projekte, Fertigung, E-Commerce und mehr. Unternehmen starten oft mit wenigen Modulen und erweitern bei Bedarf. Diese Flexibilität ist eine zentrale Stärke der Lösung.
Community vs. Enterprise
| Community / Enterprise | |
|---|---|
| Lizenz | Open Source, kostenfrei / kostenpflichtiges Abo |
| Funktionsumfang | Basis / erweitert (mehr Apps & Funktionen) |
| Betrieb | selbst gehostet / Cloud (Odoo Online) oder gehostet |
| Support | Community / Hersteller & Partner |
Für wen eignet sich Odoo?
Odoo spricht Unternehmen an, die eine flexible, modular wachsende Lösung suchen und den Open-Source-Gedanken schätzen. Zu beachten ist, dass die Einführung – wie bei jedem ERP – Know-how erfordert; die Umsetzung erfolgt häufig über zertifizierte Partner. Prüfen Sie die Eignung anhand Ihres Lastenhefts und vergleichen Sie mit anderen ERP-Programmen.
Der modulare App-Ansatz im Detail
Was Odoo von vielen klassischen ERP-Systemen unterscheidet, ist sein konsequenter App-Baukasten. Statt eines großen, geschlossenen Pakets besteht die Software aus vielen einzelnen Anwendungen, die sich nach Bedarf aktivieren lassen – von Verkauf, Einkauf und Lager über Buchhaltung und CRM bis zu Projektmanagement, Fertigung, Personalwesen, Website und E-Commerce. Ein Unternehmen kann mit wenigen Apps starten, etwa nur CRM und Verkauf, und das System später organisch erweitern, ohne die Plattform zu wechseln. Diese Flexibilität ist besonders für wachsende Betriebe attraktiv, die ihren Funktionsbedarf zu Beginn noch nicht vollständig kennen. Weil alle Apps auf derselben Datenbasis arbeiten, bleibt trotz des modularen Aufbaus die für ERP typische Integration erhalten.
Diese Stärke hat allerdings eine Kehrseite, die man kennen sollte. Die freie Kombinierbarkeit und die große Zahl an Apps – ergänzt durch tausende Erweiterungen aus der Community – können die Auswahl und Einrichtung unübersichtlich machen. Nicht jede Community-Erweiterung ist gleich gut gepflegt, und beim Wechsel auf eine neue Odoo-Version kann es zu Anpassungsbedarf kommen. Eine durchdachte Auswahl der wirklich benötigten Apps und eine Umsetzung mit erfahrenem Partner sind deshalb auch hier der Schlüssel zum Erfolg.
Open Source bedeutet nicht kostenlos
Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass ein quelloffenes ERP automatisch zum Nulltarif zu haben sei. Zwar ist die Community-Edition lizenzkostenfrei, doch der produktive Betrieb verursacht reale Aufwände: Hosting, Einrichtung, Anpassung, Wartung und Schulung. Die Enterprise-Edition bietet zusätzlichen Funktionsumfang und Herstellersupport gegen ein Abo. Die ehrliche Betrachtung der Gesamtkosten ist deshalb auch bei Open-Source-ERP unverzichtbar.
Die wichtigsten Odoo-Apps im Überblick
Der modulare Aufbau ist das prägende Merkmal von Odoo, dem Nachfolger von OpenERP. Statt eines geschlossenen Pakets steht ein wachsender Katalog einzelner Apps bereit, die sich nach Bedarf aktivieren lassen. Im kaufmännischen Kern sind das Anwendungen für Verkauf, Einkauf, Lager und Buchhaltung. Im Kundenmanagement kommt eine CRM-App hinzu, für produzierende Betriebe eine Fertigungs-App mit Stücklisten und Fertigungsaufträgen. Darüber hinaus gibt es Apps für Projekte, Personal, Website und E-Commerce, Marketing und vieles mehr.
Diese Vielfalt erlaubt einen Einstieg mit wenigen Apps und eine organische Erweiterung im Lauf der Zeit. Weil alle Apps auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten, bleibt trotz des Baukastenprinzips die für ERP typische Integration erhalten – ein Auftrag wirkt sich also unmittelbar auf Lager und Buchhaltung aus.
Community, Enterprise und Hosting
Odoo gibt es in zwei Editionen. Die Community-Edition ist quelloffen und kostenfrei, bietet aber einen eingeschränkten Funktionsumfang und keinen Herstellersupport. Die Enterprise-Edition erweitert den Funktionsumfang deutlich, bringt Support mit und wird als Abonnement abgerechnet. Beim Betrieb bestehen ebenfalls Optionen: Odoo lässt sich selbst hosten, was volle Kontrolle, aber auch Verantwortung für Wartung und Sicherheit bedeutet, oder als gehosteter beziehungsweise Cloud-Dienst nutzen. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von der internen IT-Kompetenz und den Anforderungen ab. Wichtig bleibt: Auch eine quelloffene Lösung verursacht reale Kosten für Einführung, Anpassung, Hosting und Pflege, die in eine ehrliche Gesamtbetrachtung gehören.
Stärken, Schwächen und Eignung
Wie jede Lösung hat Odoo, der Nachfolger von OpenERP, ein klares Profil. Zu den Stärken zählen der modulare App-Aufbau, die hohe Flexibilität und Anpassbarkeit, ein quelloffener Kern sowie ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis, gerade für kleinere und mittlere Unternehmen. Die breite Abdeckung vieler Geschäftsbereiche in einer einheitlichen Oberfläche macht die Lösung für viele Einsatzzwecke interessant.
Dem stehen Schwächen gegenüber, die man kennen sollte. Die große Zahl an Apps und Community-Erweiterungen unterschiedlicher Qualität kann die Auswahl und Einrichtung unübersichtlich machen. Beim Wechsel auf neue Versionen kann Anpassungsbedarf entstehen, und tiefere Anpassungen erfordern technisches Know-how. Die Einführung ist daher kein Selbstläufer und gelingt am besten mit einem erfahrenen Partner. Für wen eignet sich Odoo also? Vor allem für Unternehmen, die Flexibilität schätzen, einen klaren Funktionsbedarf haben und entweder eigene IT-Kompetenz mitbringen oder einen kompetenten Partner an ihrer Seite wissen. Wer dagegen eine möglichst schlüsselfertige, eng geführte Standardlösung sucht, sollte Odoo genau gegen Alternativen abwägen. Eine ehrliche Einschätzung der eigenen Voraussetzungen ist hier der beste Ratgeber.
Gesamtkosten bei Open Source ehrlich rechnen
Der quelloffene Charakter von Odoo verleitet leicht zu der Annahme, die Lösung sei nahezu kostenlos. Tatsächlich ist die Lizenz der Community-Edition zwar frei, doch die Gesamtkosten entstehen an anderer Stelle: bei Einrichtung, Anpassung, Hosting, Wartung, Updates und Schulung. Hinzu kommt der interne Aufwand für Betrieb und Pflege oder die Kosten für einen Partner. Eine ehrliche Rechnung stellt diese Posten den Kosten kommerzieller Lösungen gegenüber, statt nur den Lizenzpreis zu vergleichen. In manchen Fällen ist Odoo dann tatsächlich günstiger, in anderen relativiert sich der Vorteil. Entscheidend ist, mit realistischen Zahlen über mehrere Jahre zu planen. So wird Open Source zu einer fundierten wirtschaftlichen Entscheidung statt zu einer von falschen Erwartungen getriebenen – und das Projekt startet auf einer soliden, belastbaren Grundlage.
